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Drei Fragen zum Functional Training Summit an Dr. Robert Schleip

Von: Perform Better Europe

15.07.2013 | Myofascial Training

Was erwarten Sie vom Functional Training Summit 2013?

dr_robert_schleipDer Functional Training Summit verspricht ein super spannendes Event zu werden. Dass die führenden internationalen Vertreter des funktionellen Trainings direkt vor Ort sind, ist ja wirklich ein absolutes Highlight. Neu ist auch, dass die funktionelle Komponente nicht nur aus muskulärer Sicht beleuchtet wird, sondern auch aus Sicht des körperweiten Fasziennetzes. In den letzten Jahren hat sich viel in der Forschung getan, was jetzt auch gerade eine Aufbruchstimmung im Fitness und im Sportbereich auslöst – und zwar dahingehend, dass man jetzt auch den Effekt einzelner Übungen auf das muskuläre Bindegewebe betont. Mit anderen Worten: Der Summit verspricht ein hochkarätiges Forum für hochaktuelle Themen in der internationalen Szene zu werden.

Inwiefern sollte Fascial Fitness ein Bestandteil von Functional Training sein?

Das war es sowieso schon, denn man hat bereits immer in myofaszialen Ketten gearbeitet und gedacht, anstatt in der Aktivierung isolierter Einzelmuskeln. Doch weiß man heute viel mehr darüber Bescheid, wie das weiße (kollagene) Bindegewebe etwas anders reagiert und andere Stimulationen braucht als das rote Muskelgewebe.
Ich bin mir sicher, dass im Functional Training die beiden Gewebearten in Zukunft noch klarer betont und unterschieden werden und dass die Prinzipien des Faszientrainings binnen 1 bis 3 Jahren komplett aufgesaugt werden. Wenn etwas inhaltlich Sinn macht, relativ leicht zu erlernen ist und auch wirklich verständlich ist, können sich solche Trends im Fitness Bereich mitunter ja sehr schnell ausbreiten.

Was sind die neuesten Erkenntnisse im Bereich Faszien?

Im Idealzustand ist die Ganzkörperfaszie im Rumpfbereich mit den darunter liegenden faszialen Muskelhüllen nur lose verbunden. Eine geschmeidige Beweglichkeit des Körpers basiert auf einer nicht behinderten Gleitfähigkeit zwischen beiden Schichten. Foto: Dr. Robert Schleip, www.fascialnet.com

Im Idealzustand ist die Ganzkörperfaszie im Rumpfbereich mit den darunter liegenden faszialen Muskelhüllen nur lose verbunden. Eine geschmeidige Beweglichkeit des Körpers basiert auf einer nicht behinderten Gleitfähigkeit zwischen beiden Schichten. Foto: Dr. Robert Schleip, www.fascialnet.com

Da vergeht derzeit kein Monat, wo nicht irgendeine neue Erkenntnis in diesem aufstrebenden wissenschaftlichen Feld Furore macht. Aktuell ist es zum Beispiel eine exzellente Studie, die im angesehenen Journal „Nature“ als Leitartikel publiziert wurde. Die Erkenntnis: Der Mensch unterscheidet sich auch dadurch von anderen Primaten, dass wir bessere Werfer sind. Das liegt an verschiedenen anatomischen Unterschieden unseres Schultergürtels, die eine höhere elastische Speicherung im Sinne eines Katapult-Effekts ermöglichen.

Dieses Wissen ergänzt recht schön die jüngeren Erkenntnisse zur elastischen Federung beim menschlichen Laufen und Springen. Und beim plyometrischen Springen hat sich jetzt auch heraus gestellt, dass ein systematisches Sprungtraining primär dadurch zu höheren Sprungleistungen führt, dass die kollagenen Elemente eine größere Rolle in der Rückfederung bekommen und die muskulären Kontraktionen hingegen eher in den Hintergrund treten. Bei ungeübten Anfängern ist das noch eher umgekehrt: Da steht die muskuläre Beschleunigung im Vordergrund, und die fasziale Komponente ist eher Beiwerk. Bei den geübten Profis ist es hingegen so, dass die faszialen Elemente mehr kinetische Energie aufnehmen können und diese Energie dann wie bei einem Katapult mit einer ungeheuren Schwungkraft wieder zurückgeben. Das funktioniert aber nur mit faszialen Geweben, die eine hohe Elastizität haben. Das kann man im Mikroskop zum Beispiel daran erkennen, dass die Kollagenfasern mit entsprechendem Training eine größere Wellung bekommen, so dass sie damit besser Energie aufnehmen und entladen können.

Ein anderer spannender Effekt ist die neue Sichtweise, dass das Fersenpolster ähnlich der Kniescheibe als eine Umlenkplatte funktionieren sollte. Bei natürlichen Barfußläufern ist das noch mehr entwickelt: Da kann der Zug der Wadenmuskeln teilweise ohne Veränderung der Fersenbeinposition direkt auf die Fußsohlen-Faszie übertragen werden. Darüber wird gerade ganz heiß debattiert und geforscht. Wenn sich das wirklich bestätigen sollte, kann man mit einer Flut an manuellen und gerätegestützten therapeutischen Methoden rechnen, die diese Zugübertragung zwischen Waden und Fußsohle gezielt angehen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.

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