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Energieübertragung und das Geheimnis des Beckens

Von: Nicholas Zaher

16.03.2017 | Functional Training

Mein absolutes Spezialgebiet ist Golf. Golf ist ein Drehsport und zweifellos einer von vielen, sehr komplexeren Sportarten. Die Kraft liegt in der Querebene, also die „Transverse Plane“ – hier wird Energie kraftvoll übertragen, angenommen die Grundvoraussetzungen werden erfüllt (mehr dazu später). Die Energie wird von innen (Proximal) nach außen (Distal) übertragen, genau das haben viele Sportarten gemeinsam. Die korrekte Reihenfolge der Energieübertragung macht den Unterschied aus.

Seit über zehn Jahren arbeite ich mit 3D-Biomechanischer Analysetechnik, die es mir u.a. ermöglicht die Rotationswerte des Beckens und Oberkörpers sehr präzise zu messen und festzustellen wo mögliche Defizite liegen. Zum Beispiel in der Motorik, Beweglichkeit, Stabilität oder Kraft des Spielers – oder in manchen Fällen fehlt einfach nur das Verständnis für den Ablauf. Bei Profigolfern rotiert das Becken um die 500 Grad pro Sekunde. Der Oberkörper (Thorax) um die 720 Grad pro Sekunde. Bei 720 Grad, also zwei kompletten Drehungen um die eigene Achse, kann man sich gut vorstellen, wie schnell die Rotation in der Transverse Plane wirklich ist!

3D-Biomechanische-Analysen sind in ihrer Aussagefähigkeit einfach noch vielseitiger und genauer. Wir gewinnen eine Menge Informationen, die es ermöglichen, z.B. die Effizienz zu messen. Natürlich ist mir bewusst, das wenige Personen solche „High-End Technik“ besitzen. Nichtsdestotrotz kann ich dir ein paar einfache Tools vermitteln, um Problemzonen zu erkennen und noch mehr Power mit weniger Aufwand zu erreichen.

Ist ein Athlet in der Lage, Mobilität, Stabilität und Motorik zu kombinieren und zusätzlich mit Kraft zu koppeln, ist es ihm möglich, über die segmentale Kraftübertragung Power zu generieren. Ein Athlet kann aber auch über ausreichend Kraft verfügen, diese aber aufgrund der vorhandenen Motorik-, Mobilität- und Stabilitätsdefizite leider nicht übertragen. Dieses gilt auch in der umgekehrten Richtung.

Die nachfolgenden drei Screens können, mit ein wenig Übung, binnen drei Minuten absolviert werden. Sie sind aussagekräftig und sportartübergreifend. Hier geht es zum Video!

 

Screen 1: Beckenmobilität

Dieser Screen ist sehr gut geeignet um die allgemeine Mobilität in der Hüfte und dem LWS-Bereich zu prüfen. Beckenmobilität und Rumpfstabilität sind für den Energietransfer vom Unter- zum Oberkörper notwendig und daher unverzichtbar.

Ausführung:

Der Athlet nimmt seine Haltung ein (Dieses Beispiel zeigt eine Golfhaltung), Arme eng am Brustkorb. Beobachte die Ausgangsposition ganz genau. Ist eine S-Kurve erkennbar? Ein C-Kurve oder ist der untere Rücken in einer flachen und neutralen Position? Nun sollte das Becken so weit nach vorne wie möglich gekippt werden (denkt an Wasser vorne auskippen und danach nach hinten auskippen). Bitte beachte dabei diese Reihenfolge: Anterior-Posterior-Anterior-Posterior. Die Beine und der Oberkörper dürfen sich dabei nur minimal bewegen.

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Bei diesem Screen sind mehrere Muster am Anfang erkennbar:

Man braucht Geduld, es ist eine ungewöhnliche Übung und fordert die motorischen Fähigkeiten. Um den Golfschwung korrekt einzuleiten, ist es wichtig dass der Golfer einen neutralen und flachen unteren Rücken in der Ansprechposition hat. Wenn das Becken am Anfang zu viel Anterior Neigung aufweist, ist es nicht möglich, den Schwung – biomechanisch betrachtet – effizient aufzubauen. Das bedeutet weniger Spannung und kann zu einer Fehlbewegung führen.

 

Screen 2: Beckenrotation

Mit diesem Screen prüft man, ob der Athlet in der Lage ist, seinen Unterkörper vom Oberkörper getrennt zu rotieren. Da das Becken den Abschwung zuerst einleiten soll, ist unabhängige Rotation sehr wichtig, insbesondere für die segmentale Kraftübertragung und weiteren Energieaufbau. Stimmt die Reihenfolge nicht, führt dieses zu Kraft- und Kontrollverlusten.

Ausführung:

Der Athlet nimmt seine Haltung ein, Beine schulterbreit auseinander, Arme eng am Brustkorb. Nun soll er das Becken drehen, Oberkörper und Kopf bleiben dabei still. Die Knie dürfen sich minimal bewegen. Achtet bitte darauf, ob das Becken während der Ausführung rotiert oder kippt. Wir wollen Rotation haben!

In den meisten Fällen wissen die Schüler am Anfang nicht, wie Beckenrotation geht. Es gibt aber zahlreiche Übungen um es zu vermitteln. Normalerweise erleben wir bei Rotation den „Aha“ Effekt. Die Beckenrotation ist wahnsinnig wichtig, weil aus der Rotation ein „Ipsi-Laterale Stretch“ und mehr Power entsteht.

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Screen 3: Thoraxrotation

Dieser Screen prüft ob der Athlet seinen Oberkörper vom Unterkörper getrennt rotieren kann. Die Thoraxrotation ist sehr wichtig, um den Rückschwung (Golf) richtig einleiten zu können. Starten Becken und Thorax gleichzeitig im Rückschwung, kann es zu Kraft-, Kontrollverlust und eventuellen Verletzungen kommen.

Ausführung:

Der Athlet nimmt seine athletische Haltung ein, Arme eng am Brustkorb. Nun soll er seinen Oberkörper über einer stabilen Basis, leicht rechts und links drehen, ohne dass das Becken und der Kopf sich mitbewegen. Die Beine müssen dabei still bleiben.

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Die drei Screens helfen Dir, die Zusammenhänge zwischen Rumpf-und Glutaeus Kontrolle, Beckenmobilität und Kraftübertragung besser nachzuvollziehen. Sie können schnell geprüft werden und ich empfehle euch korrektive Übungen zu verwenden um mögliche Einschränkungen zu beseitigen. Erst dann solltest Du Kraft und Power in Angriff nehmen. Das Becken ist eine Geheimwaffe für Kraft-übertragung! Jetzt bin ich gespannt, wie deine Sportart von diesen Screens profitiert! Ich wünsche dir viel Spaß mit deiner neuen Geheimwaffe!

 

Euer Nicholas Zaher

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