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Gluten Unverträglichkeit in Europa

Von: Corinne Mäder

10.10.2013 | Ernährung

Gluten Unverträglichkeit – Die Folgen

Bereits kleine Mengen an Gluten lösen bei Zöliakie-Betroffenen eine Entzündungsreaktion in der Darmschleimhaut aus, die Schädigungen, und im fortgeschrittenem Stadium sogar eine gänzliche Zerstörung der Darmschleimhaut verursacht. Dadurch ist eine ausreichende Nährstoff-Aufnahme nicht mehr gewährleistet. Die Folge ist eine Unterversorgung des Körpers bzw. ein Nährstoff-Defizit mit der Konsequenz schwerwiegender gesundheitlicher Beschwerden. Die Ernährungsmaßnahmen müssen daher streng eingehalten werden. Gluten fällt daher auch unter die gesetzliche Allergen-Kennzeichnungspflicht auf Lebensmittelverpackungen. Findet sich am Ende der Zutatenliste der Terminus „kann Spuren von Gluten enthalten“ ist das Produkt von der Rezeptur her glutenfrei, der Hersteller kann jedoch eine sogenannte Cross-Kontamination nicht vollständig ausschließen. Cross-Kontamination bedeutet, dass auf der gleichen Produktionsstrecke auch glutenhaltige Produkte hergestellt werden und trotz sorgfältigster Reinigung nicht zu 100% ausgeschlossen werden kann, dass keine Spuren mehr vorhanden sind.

Zöliakie-Häufigkeit in Europa

Diagnostisch wird das Krankheitsbild mittels eines Bluttests und im weiteren Schritt durch eine Dünndarmschleimhaut-Biopsie festgestellt. Ein kürzlich veröffentlichter Forschungsbericht zeigt eine Krankheitshäufigkeit von 1:270 (0,37%) bei Erwachsenen in Deutschland (Kratzer et al., 2013). Zu einem ähnlichen Ergebnis für Deutschland sowie einer Zöliakie-Häufigkeit in Europa von insgesamt 1,0% kamen weitere Studien (z.B. Mustalahti et al., 2010). Allerdings wird vermutet, dass Gluten Unverträglichkeit eine unterdiagnostizierte Erkrankung ist, das heißt dass die meisten Betroffenen noch nicht entdeckt sind.

Gluten Unverträglichkeit – Hype oder neue Epidemie

Geschürt durch pseudowissenschaftliche Medienberichte ist heutzutage allerdings ein regelrechter Hype zu diesem Thema ausgebrochen. „Bücher wie “Die Weizenwampe” (englisch „Wheat belly“) tragen zu diesem Hype bei, entsprechen aber keineswegs dem wissenschaftlichen Stand“, sagt Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG). Dass die Diagnose Gluten Unverträglichkeit jedoch beim Versorgungsamt als Schwerbehinderung zählt, ist vielen nicht bekannt. „Gluten ist für den Gesunden kein Nachteil“, so Dr. Baas. Es gibt keine evidenzbasierten Daten, die einen negativen Zusammenhang mit dem Verzehr von glutenhaltigen Produkten bei Gesunden beweist. Selbstversuche, weil man eine Gluten-Unverträglichkeit vermutet, sind übrigens kontraproduktiv, denn Dr. Baas weist ausdrücklich darauf hin, dass eine glutenfreie Ernährung vorab die ärztliche Diagnostik verfälscht. Sportler, die an einer Gluten Unverträglichkeit leiden, sollten ihre Ernährungsumstellung mit einem Ernährungsberater sorgfältig planen, damit Gesundheit und sportliche Leistung nicht darunter leidet.

Gluten Unverträglichkeit – Hype oder neue Epidemie

Gluten Unverträglichkeit – Hype oder neue Epidemie

Glutensensitivität

In der Expertenwelt ist man sich aber zudem einig, dass es auch wenige Menschen gibt, die keine Zöliakie haben, aber trotzdem Gluten nicht optimal vertragen. Bei der sogenannten Glutensensitivität muss sich ein Patient meist jedoch nicht strikt glutenfrei ernähren, sprich auf „jeden Brösel“ achten. „Für einen direkten Nachweis der Glutensensitivität gibt es allerdings zurzeit keine diagnostische Möglichkeiten“, sagt Dr. Baas.

Nehmt an der Umfrage teil:

Uns interessiert, wie ihr persönlich zu Gluten steht, sowie zu den ebenfalls häufig diskutierten Themen Laktose (Milchzucker) und Fruktose (Fruchtzucker). Wir würden uns freuen, wenn ihr euch einen kurzen Moment für die kurze anonyme Umfrage zur Gluten Unverträglichkeit Zeit nehmt (Teilnahme bis zum 05. Oktober 2013 möglich):

>> Hier geht es zur Umfrage <<

 

Eure Corinne Mäder

@ Corinne Mäder, Juli 2013

Zum Autor: Mäder ist certified Sports Nutritionist from the International Society of Sports Nutrition (CISSN) und Ernährungswissenschaftlerin. Neben ihrer Tätigkeit als European Sport Nutrition Manager bei PowerBar absolviert sie derzeit als eine der ersten deutschsprachigen Teilnehmer ein Aufbaustudium des International Olympic Committee’s (IOC) im Bereich Sporternährung. Corinne steht seit mehreren Jahren Profi-Athleten und Hobby-Sportlern beratend zur Seite.

u.a. verwendete Literaturquellen:

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