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Impingement Syndrom – was tun bei Schulterschmerzen?

Von: Dr. Markus Klingenberg

22.12.2014 | Rehabilitation

Frage: Seit einer Weile belastet mich ein Impingement Syndrom in der linken Schulter. Bisher bekomme ich noch keine Krankengymnastik. Schonung hilft natürlich, aber sobald ich Sport treibe geht das kaum. Manchmal sind die Schmerzen so stark, dass ich mit diesem Arm überhaupt nichts hochheben oder halten kann. Gibt es bestimmte Übungen oder Therapien, damit die Schmerzen und die Effekte gemildert werden oder muss medikamentös / operativ eingegriffen werden?

Impingement Syndrom als Ursache für Schulterschmerzen

Dr. Markus Klingenberg: Schulterschmerzen können viele Ursachen haben. Einer der häufigsten Gründe ist ein Engpass-Syndrom („Impingement Syndrom“), bei dem der Raum zwischen Schulterdach und Oberarmkopf funktionell eingeengt wird. In dem „subacromialen Raum“ befinden sich ein Schleimbeutel und die Sehnen der Rotatorenmanschette. Die Rotatorenmanschette (Synonym Muskel-Sehnen-Kappe) umfasst eine Gruppe von vier Muskeln, deren Sehnen eine Sehnenkappe bilden, die den Oberarmkopf umfassen und Bewegungen der Schulter in alle Richtungen ermöglichen. Bei einer Dysbalance der Oberkörpermuskulatur und einer relativen Schwäche der Rotatorenmanschette verkleinert sich der subacromiale Raum funktionell, der Schleimbeutel wird gereizt und die Sehnen können sich am Schulterdach regelrecht aufreiben. Bei der Untersuchung fällt typischer Weise ein „painfull arc“ auf. So nennt man den plötzlich einsetzenden Schmerz der Schulter, wenn der Patient den Arm seitlich zwischen 60-120 Grad anhebt. Spritzt man dann ein kurzwirksames lokales Betäubungsmittel unter das Schulterdach und die Beschwerden bessern sich direkt, so ist das ein weiterer Hinweis auf ein Engpass Syndrom der Schulter. Diagnostisch können eine Schleimbeutelreizung und Verletzungen der Rotatorenmanschette im Ultraschall und im MRT nachgewiesen werden. Kalk und die knöcherne From des Schulterdachs und des Schultereckgelenks können besser im klassischen Röntgenbild erfasst werden.

Ursachen und Therapie

Impingement Syndrom als Ursache für Schulterschmerzen

Impingement Syndrom als Ursache für Schulterschmerzen

Das Schulterdach (Acromion) kann unterschiedliche Formen annehmen und bestimmte Konfigurationen erhöhen in Verbindung mit Überkopfbewegungen das Risiko, das Impingement Syndrom zu erleiden. Berufliche Tätigkeiten die ein häufige Überkopfbewegungen erfordern oder entsprechende Sportarten wie beispielsweise Tennis erhöhen ebenfalls das Risiko.

Die Therapie umfasst bei einem Impingement Syndrom kurzfristig eine Entzündungshemmung des gereizten Schleimbeutels mit Medikamenten in Tablettenform oder als Injektion unter das Schulterdach. Oral werden normalerweise nicht-steroidale Antirheumatika verordnet, also beispielsweise Ibuprofen, Diclophenac, etc, sofern keine Unverträglichkeit vorliegt. Ergänzend oder alternativ können natürlich auch homöopathische Präparate wie Arnica, Traumeel etc. eingesetzt werden. Für Injektionen unter dem Schulterdach werden meistens Kortisonpräparate oder Traumeel kombiniert mit einem lokalen Anästhetikum verwendet.

Funktionell lässt sich die subacromiale Enge am besten durch ein gezieltes Training der Rotatorenmanschette und der Schulterblatt stabilisierenden Muskulatur verbessern. Es macht wenig Sinn, eine Kräftigung unter dauernden Schmerzen durchzuführen, da auf diese Weise auch wieder fehlerhafte Bewegungsmuster trainiert werden. Deshalb steht die Entzündungshemmung und Schmerzfreiheit an erster Stelle.

Operative Therapie

In bestimmten Konstellationen macht auch eine operative Therapie Sinn. Das ist vor allem bei Therapie resistenten Beschwerden der Fall und wenn weitere Gründe für eine OP sprechen. Dazu gehören zum Beispiel ein Riss oder ein Anriss der Rotatorenmanschette, Kalk in der Schulter, eine ausgeprägte knöcherne Enge durch die Form des Schulterdachs oder eine Arthrose im Schultereckgelenk. Der operative Eingriff wird für gewöhnlich arthroskopisch durchgeführt. Das bedeutet, dass je nach Befund und Therapie mehrere kleine Portale mit einer Schrittlänge von 0,5-1,0 cm Länge angelegt werden durch die dann der komplette Eingriff durchgeführt wird. Die meisten Eingriffe sind auch ambulant durchführbar, so dass der Patient noch am gleichen Tag wieder nach Hause gehen kann. Ergänzend sollte sich nach einem Eingriff eine gezielte Krankengymnastik anschließen, um schmerzfrei wieder die korrekten Bewegungsmuster einzuüben.

Euer Dr. Markus Klingenberg

Kommentare

23.02.2015 13:27 | Thomas Lohley

Zum letzten Abschnitt, OP hätte ich gerne geeignete Physik bzw. Krankengymn. Tipps Reha Vorschläge etc... Bei mir steht nach langem Warten, nun endlich auf Grund mehrere Risse und Impingment, Bursitis sowie Capsulitis, eine OP an. Da gibt es glaube ich Qualitätsunterschiede... Vorab Danke

22.06.2015 20:46 | Holger Mayr

Hallo Thomas, die muskulären Dysbalancen und Dysfunktionen (z.B. hypertoner m.pectoralis minor, schwache Ansteuerung m.serratus anterior) sind hier neben dem Schmerzmanagement ein interessanter Ansatz. Schau mal unter Dr. Evan Osar (amerikanischer Schulterspezialist, gute Übungserklärungen) nach. Gruß Holger

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