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Kraft ist eine Frage der Einstellung

18.06.2019 | Coaching

Mit mentaler Stärke den Deadlift bezwingen

„Kraft ist Einstellungssache“, behauptet Charley Radcliffe, passionierter Bergsteiger und Skifahrer. Während er in großer Höhe Berge bezwang, plagten ihn beim Deadlift innere Blockaden und Selbstzweifel: Er bekam das von ihm angestrebte Gewicht einfach nicht gestemmt. Wie die Imagination ihm dabei half, den Deadlift zu meistern, davon berichtet er in diesem Artikel. Ein Denkanstoß für alle zum Thema „Selbstvertrauen beim Training“.

150 kg beim Kreuzheben zu stemmen, schaffen einige. Das ist im Großen und Ganzen kein Kunststück. Durch Selbstzweifel und innere Blockaden werden zahlreiche Sportler jedoch daran gehindert – der Deadlift ist ihnen dann ein Dorn im Auge und die inneren Zweifel zu überwinden, ist nicht einfach. Aber: Die Zweifel sind meist ein mentales Problem!

Mehr Leistung durch Selbstvertrauen

Die Gabe, von Natur aus selbstsicher zu sein, hat nicht jeder Mensch. Nach außen wirken viele zwar selbstsicher, aber in Wirklichkeit sind auch sie von Selbstzweifeln und Versagensängsten geplagt und wollen sich nicht vor Kollegen und Freunden blamieren. Wir Menschen umgeben uns oftmals mit einer Schutzhülle der Selbstsicherheit, um zu verhindern, dass die anderen unsere Sorgen und Unsicherheiten wahrnehmen. Wir alle haben unsere Probleme – doch solange sie sich nicht lähmend auf uns auswirken, ist das nichts Schlimmes. Es handelt sich meist um einen inneren Prozess, der nach außen hin nicht offensichtlich in Erscheinung tritt. Aber an einigen Stellen ist er dennoch wahrnehmbar und besonders an zwei Parametern kann man sehr gut erkennen, wie ein Mangel an Selbstvertrauen viele Menschen ganz konkret beeinträchtigen kann: an Kraft und Leistung.

Die Herausforderung: Deadlift mit 140 kg

Meine Fähigkeit, Erfolge vorab zu visualisieren und zu erzielen, wurde auf die Probe gestellt, als ich Langhanteln verwenden bzw. den Deadlift meistern wollte. Nachdem ich ihn ausprobiert hatte, war ich sofort süchtig nach seinen Vorzügen und dem Erfolgserlebnis. Es gibt doch nichts Befriedigenderes, als etwas Schweres vom Boden aufzuheben und es wieder abzusetzen. Ich arbeitete mich schnell auf ein One-Repitition-Maximum von bescheidenen 120 kg hoch.

Bei einem Körpergewicht von 80 kg war ich mit dem 1,5-Fachen meines Körpergewichts als Startpunkt sehr zufrieden. Recherchen ergaben allerdings, dass ein solider Vergleichswert beim Doppelten des Körpergewichts liegt, also für mich bei 160 kg.

Dank des Trainings schraubte ich das Gewicht langsam hoch: zuerst auf 125 kg, dann auf 130 kg, dann auf 135 kg und dann – nichts. Ich kam nicht über 135 kg!

Fortschritte beginnen im Kopf

Ich hielt mich an erprobte Trainingsmethoden von erfolgreichen, qualifizierten Coaches. Ich schaffte fünf Sätze mit fünf Wiederholungen zu je 125 kg – warum konnte ich dann nicht 140 kg heben? Ich bekam die Hanteln gerade einmal ein paar Zentimeter hoch. Mit einem Coach arbeitete ich an meiner Technik und auch wenn er mir einige wertvolle Hinweise geben konnte, meine Technik war solide. Aber immer noch – nichts.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher erkannte ich, dass das Problem weder mein Körper noch meine Technik war. Das Problem war in meinem Kopf.

Nachdem ich den Lift schon einmal im Geiste durchgegangen war, trat ich an die Hantel heran und zog es durch. Perfekt! Das Adrenalin schoss durch meine Adern und ich wusste, dass ich noch mehr heben konnte. 145 kg wurden aufgelegt und stiegen in die Luft. Dann probierte ich 150 kg – und zu meinem Erstaunen: Auch sie flogen nach oben. Nun, „fliegen“ trifft es vielleicht nicht wirklich; ich musste schon sehr die Zähne zusammenbeißen, um das Gewicht oben zu halten, aber das Heben gelang mir problemlos.

Fortschritte beginnen im Kopf! Wer Fortschritte machen will, der muss an sich selbst und an das, was er tut, glauben. Kraft und Leistung sind definitiv eine Einstellungssache.

Charley Radcliffe

ist in London geboren und zog 2014 nach Chamonix in Frankreich. Als passionierter Bergsteiger und Skifahrer lernte er im Rahmen der Behandlung einer Schulterverletzung Kettlebells kennen, fand dann schnell Gefallen am Training und an der Entwicklung von Kraft und Ausdauer für den Bergsport. Seine enorme Leistungsverbesserung trieb ihn an, sodass er 2015 „The Mountain Foundry“, einen Trainingsservice speziell für Bergsportler, gründete.

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