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Neuro-Athletik im Motorsport

02.01.2019 | Coaching

Im Motorsport herrschen ganz spezielle Anforderungen an Trainer und Sportler: Das visuelle System und das Gleichgewichtssystem müssen auf High-Performance-Niveau gedrillt sein.

Die Augen stehen in unmittelbarer Verbindung mit unserem Gehirn und haben im Motorsport einen enorm hohen Stellenwert. Das Fokussieren, die Nah-Fern-Sicht und peripheres Sehen sind essenziell. Doch wie kann solch ein Training aussehen?

Zu Beginn sollte das dominante Auge bestimmt werden. Wieso? Über das dominante Auge wird vermittelt, wo sich Objekte im Raum befinden, und es kann Informationen um 14 bis 21 Millisekunden schneller verarbeiten als das nicht dominante Auge. Diese Zeit kann im Wettkampf entscheidend sein!

So kann eine Trainings-Session aussehen

1. DAS NEURO-WARM-UP:

Eine Trainingssession kann mit Atemübungen bzw. Zwerchfell-Stretches gestartet werden (vor allem, wenn der Athlet gestresst ins Training kommt!). Über die Atmung kann das autonome Nervensystem kontrolliert werden; der Athlet kommt somit auch mental im Training an. Elementarer Start einer jeden Trainingseinheit ist jedoch, dass der Athlet jegliche größeren Gelenke aktiv mobilisiert (Propriozeption), vor allem jedoch in den Bereichen, die im dynamischeren Teil, bei den Movement Skills und im Krafttraining, gebraucht werden.

2. WARM-UP FÜR AUGEN UND GLEICHGEWICHTSSYSTEM:

Beispielsweise kann man den Athleten einen sehr kleinen Gegenstand wie eine Perle in alle acht Richtungen eines Kompasses fokussieren lassen oder sein Blick muss der Perle folgen – das gegebenenfalls noch im Einbeinstand oder im Gehen, um es schwieriger zu machen.

Das periphere Sichtfeld kann zum Beispiel mit dem Fangen von Tennisbällen, während der Athlet einen anderen Punkt fokussiert, trainiert werden. Die Reflexe des Vestibularsystems können im Warm-up stimuliert werden, wenn der Athlet beispielsweise die Augen auf einem Gegenstand fixiert hält, während sich der Kopf bewegt.

3. MOVEMENT PREPARATIONS:

Bei der Movement Preparation werden dem Athleten Stabilität und Dynamik vermittelt (als Vorbereitung auf die Movement Skills und den Kraftteil). Jetzt ist es an der Zeit, Augen und Vestibular-Drills mit dynamischen Bewegungen zu kombinieren. Hier können zum Beispiel Dumbbell Lunges gemacht werden. Davor kann ein Lunge mit Knee Hug und einer „Vestibulo-Ocular-Reflex cancellation“ (kurz: VORc) durchgeführt werden.

Die VORc ist dafür verantwortlich, dass eine stabile visuelle Wahrnehmung auch bei plötzlicher Kopfbewegung gegeben ist.

4. MOVEMENT SKILLS:

Movement Skills können auch als gesonderte Trainingseinheit gemacht werden oder ins Training (vor dem Kraft- und Konditionsteil) integriert werden. Als Übungen können Ausfallschritte in sämtlichen Varianten und Bewegungsebenen durchgeführt werden. Je besser die propriorezeptive „Landkarte“ ausgeprägt ist, desto leistungsfähiger ist das Nervensystem – und das Verletzungsrisiko des Athleten wird verringert.

5. CONDITIONING TRAINING:

Ein Konditionstraining kann in jede Trainingseinheit eingebaut oder auch als extra Einheit trainiert werden. Hier können zum Beispiel Hand-Eye-Feet-Drills mit Tennisbällen eingeführt werden, bei denen der Athlet seine Koordinations-Skills abrufen muss, während seine Energiesysteme gefordert werden. Übungen wie diese können mit „Shutter Glasses“ unterstützt werden. Bei Shutter Glasses handelt es sich um eine Brille, die dem Athleten das Sichtfeld für einen kurzen Augenblick nimmt, sodass die Antizipationsfähigkeit abgerufen werden muss. Um die Reflexe noch mehr herauszufordern, kann mit Abprallern gearbeitet werden: Der Athlet steht vor einer Wand und muss die Abpraller fangen, während er erst im letzten Augenblick sieht, woher der Ball kommt.

Ein Beitrag von Sebastian Dietrich.

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Wie das Zusammenspiel „Gehirn-Augen“ funktioniert, wie Mikrostrom eingesetzt werden kann und wie Brain Supplements helfen können, beschreibt Autor Sebastian Dietrich in Functional Training Magazin, Ausgabe 4/2018.

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