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Starke Schmerzen in Gesäß und Beinen: Das Piriformis-Syndrom

Von: Katharina Brinkmann und Nicolai Napolski

14.10.2016 | Functional Training

Einfache und effektive Behandlungsstrategien für zuhause – erfahre hier mehr wie du dir bei Beschwerden mit dem Piriformis selber helfen kannst!

Was ist das Piriformis-Syndrom?

Beim Piriformis-Syndrom handelt es sich um eine Reizung oder Kompression des Ischiasnervs, verursacht durch eine Entzündung des Piriformis-Muskels. Typische Symptome sind primär starke Schmerzen im Gesäß, die bis in den hinteren Oberschenkeln und teilweise auch in den Lendenbereich ausstrahlen können. Mögliche Begleiterscheinungen sind auch Kribbeln und Taubheitsgefühl bis in die Zehen. Leider haben Ärzte oft nicht mehr die nötige Zeit, um eine umfassende Untersuchung vorzunehmen. Dies zeigen viele Erfahrungsberichte. Häufig werden Patienten ohne konkrete Diagnose zum Physiotherapeuten geschickt. Viele fühlen sich alleingelassen und verunsichert.

Diagnose

Die gleichen Symptome treten auch bei einer Bandscheibenproblematik auf, weswegen es häufig zu einer Verwechslung kommt. Zur einwandfreien Diagnose eines Piriformis-Syndroms solltest du deshalb unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn einen eindeutigen Test zur Diagnose des Piriformis-Syndroms gibt es leider noch nicht. Verschiedene Muskeltests liefern aber zumindest Indizien: Verstärken sich die Schmerzen bei der Abduktion und bei der Adduktion des Oberschenkels (seitliche Bewegung des Oberschenkels nach außen oder innen), deutet dies auf ein mögliches Piriformis-Syndrom hin. Wichtig ist allerdings, dass zunächst ein Bandscheibenvorfall ausgeschlossen wird.

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Ursachen

Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich können viele Ursachen haben. Es ist nicht immer ganz einfach zu differenzieren, ob der Schmerz durch eine Blockade des Darmbein-Kreuzbein-Gelenks oder etwa einen Bandscheibenvorfall hervorgerufen wird. Auf einer Verordnung für Physiotherapie findet man nicht selten Bezeichnungen wie „Lumbalgie“ oder „Ischialgie“, leider grenzt diese Bezeichnung nicht ein, ob ein knöchernes Problem wie die Blockade vorliegt, oder ein muskuläres Problem, wie etwa der Hartspann der Gesäßmuskulatur. Als mögliche Ursachen für ein Piriformis-Syndrom werden langes Sitzen, einseitige Bewegungsabläufe wie z.B. beim Laufen, ein dickes Portemonnaie in der Gesäßtasche, Überanstrengung oder schweres Heben genannt. Wissenschaftlich ist jedoch noch nicht ausreichend belegt, wodurch es tatsächlich zur Reizung des Piriformis-Muskels und damit auch zur Reizung des Ischiasnervs kommt.

 

Wie verläuft der Muskulus Piriformis?

Der Muskulus Piriformis verläuft von der seitlichen Vorderkante des Kreuzbeins auf Höhe des 2. bis 4. Kreuzbeinloches bis zur Spitze der Innenseite des Trochanter major. Zu seinen Funktionen zählen die Außenrotation bei gestreckter Hüfte und der Abduktion bei gebeugter Hüfte.

 

Piriformis-Syndrom bei Sportlern

Vom Piriformis-Syndrom sind keineswegs nur die Vielsitzer betroffen. Neben der Unter- und Fehlbelastung kann auch die Überbelastung oder eine Mischung aus mehreren Komponenten zu schmerzhaften Folgen führen. Nicht selten trifft es Läufer oder Triathleten. Durch schlechte Lauftechnik, hohe Trainingsumfänge und zu schnelle Steigerung der Trainingsumfänge wird der Piriformis übermäßig beansprucht. Auch Geländeunterschiede oder das Laufen in alten Schuhen üben Stress auf sowieso schon belastete Strukturen aus. Gerade wer in seiner Sportart hohe Trainingsumfänge absolviert, verliert neben dem Laufen, Radfahren oder Schwimmen häufig das allgemeine Krafttraining aus den Augen. Wenn die primär arbeitenden Muskeln ermüden, müssen die kleineren Hilfsmuskeln wie der Piriformis härter arbeiten, um Fehlbelastungen zu vermeiden. Doch auch dessen Grenzen sind irgendwann erreicht – und dann reagiert auch dieser mit Verspannungen, Reizungen oder gar Entzündungen.

Folgende externe Risikofaktoren solltest du als Läufer beachten:

Wenn du möglichst viele dieser externen Problempunkte ausschließen kannst, hast du es in der Hand, internen Gefahren wie Fehlhaltungen und muskulären Dysbalancen vorzubeugen, und zwar mit einer Kräftigung der Hüft- und Beckenmuskulatur.

Studien beweisen, dass mehr Hüftkraft deutlich zu einer Verringerung von Laufverletzungen führt. Speziell bei Knieproblemen macht es Sinn, an der Stabilisierung der Hüfte zu arbeiten, um die Beschwerden zu lindern. Darüber hinaus kann die Vergrößerung der Schrittlänge, die mit einer Steigerung der Hüftkraft einhergeht, auch zu einer Leistungssteigerung führen.

 

Behandlung

Das Hauptziel der Behandlung ist das Lösen des verspannten Muskels sowie das Dehnen der verkürzten Strukturen. Neben dem Musculus Piriformis sind der Musculus gluteus medius, Musculus tensor fascie latae und der kontralaterale Musculus quadratus lumborum in 90% der Fällen mit verspannt. Durch leichte Massagen aber auch durch Querfriktionen kann der richtige Tonus der Muskulatur wieder hergestellt werden. Eigendehnungen sowie Kräftigungsübungen besonders der Abduktoren der Hüfte stehen hierbei im Vordergrund.

Im Anfangsstadium dieser Erkrankung können entzündungshemmende Schmerzmedikamente (z.B. Ibuprofen oder Diclofenac) für Linderung sorgen. Entscheidend dabei ist es, die Entzündung aus dem Piriformismuskel zu bekommen, da dieser auf den Ischiasnerv drückt. Ebenfalls sinnvolle Maßnahmen sind Triggerpointbehandlungen, Massagen und Dehnübungen, um die Spannung aus dem Muskeln zu ziehen. Im fortgeschrittenen Stadium können Muskelspasmen auftreten. Mit rezeptfreien Schmerzmedikamenten ist das Piriformis-Syndrom dann nicht mehr in den Griff zu bekommen und erfordert eine ärztliche und physiotherapeutische Behandlung. Entzündungshemmend und abschwellend können Kortisonspritzen wirken. Ebenfalls erfolgversprechend angewendet werden manuelle Therapie, Ultraschall oder die Stosswellen-Therapie. Zudem lohnt sich der Besuch beim Osteopathen. Als letzter Ausweg bleibt dann noch ein operativer Eingriff, um den Ischiasnerv zu entlasten. Die Operation erfolgt minimal-invasiv.

Das erste Onlineprogramm zum Piriformis-Syndrom

Das erste Onlineprogramm zum Piriformis-Syndrom

Vorbeugen

Bevor wir nun zum zweiten Teil des Artikels, den Übungen, übergehen, möchten wir dir noch einen kurzen Tipp ans Herz legen: Lerne deinen Körper kennen und seine Zusammenhänge zu verstehen, akzeptiere deine Verletzung und führe dir immer wieder die wichtigsten Punkte bewusst vor Augen:

 

Scheue dich bitte niemals, mehrere Meinungen einzuholen!

Die gute Nachricht: Schmerzen im Gesäßbereich, die auf ein Piriformis-Syndrom hinweisen, stellen keine Einbahnstraße dar – du kannst etwas dagegen tun! Bewusste Bewegung ist die beste Vorbeugung und Therapie. Mobilisierende Bewegungen für das Becken und die Hüfte regen den Stoffwechsel an und beschleunigen die Genesung. Lege deshalb auf keinen Fall jetzt die Füße hoch, um abzuwarten, bis es von allein wieder weggeht. Gerade die lokalen Stretches und das myofasziale Entspannen für den Piriformis führen recht schnell zu einer Linderung. Im nächsten Schritt geht es dann darum, auch langfristig schmerzfrei zu bleiben. Hierzu gehören regelmäßige Stretches des Piriformis und der gesamten hüftumgebenden Muskulatur. Im Anschluss ist Krafttraining wichtig, um den Überbelastungsfolgen entgegenzuwirken. Ganz am Anfang aber steht die Ursachenforschung. In den meisten Fällen rührt das Piriformis-Syndrom nicht von offensichtlichen Ursachen her wie zum Beispiel einem Sturz. In den meisten Fällen ist es haltungs- und belastungsbedingt. Um langfristig beschwerdefrei zu werden und zu bleiben, ist es deshalb wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Eine tolle Dehnübung ist beispielsweise das Verknoten fürs Gesäß: Stelle beide Füße nahe am Gesäß auf. Lege das linke Sprunggelenk mit der Außenseite auf den rechten Oberschenkel. Das linke Knie zeigt dabei nach außen. Greife mit beiden Händen den rechten Oberschenkel an der Rückseite und ziehe das rechte Bein so weit wie angenehm zum Oberkörper ran. Du solltest eine angenehme Dehnung auf der Gesäßmuskultur des rechten Beins spüren. Während du den Oberschenkel zu dir ranziehst, schiebst du gleichzeitig die Sitzbeine nach unten weg und drückst den unteren Rücken auf die Matte. Ziehe jetzt den rechten Oberschenkel noch ein Stück nach rechts, dadurch erreichst du gezielt den Piriformis. Achte darauf, dass deine Schultern und der Kopf entspannt auf der Matte liegen bleiben.

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Eine weitere Alternative: Stehend am Tisch. Die Übungen im Stehen kannst du überall durchführen. Wir empfehlen dir jedoch, dies in der Nähe einer Wand zu tun, da die Übungen alle einbeinig ausgeführt werden. Sie bieten somit gleichzeitig ein gutes Stabilitätstraining. Achte jedoch darauf, dass du den Fokus auf die Ausführung der Dehnung legst. Für die erste Übung brauchst du zur Unterstützung einen Tisch: Lege das rechte Bein angewinkelt auf den Tisch, sodass die Oberschenkelaußenseite und die Unterschenkelaußenseite Kontakt mit dem Tisch haben. Der Unterschenkel liegt parallel zur Tischkante. Wahrscheinlich spürst du bereits jetzt eine leichte Dehnung im Gesäß. Neige den Oberkörper nach vorn. Wandere mit den Händen so weit wie möglich nach vorn und entspanne dich.

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Es gibt viele weitere Übungsmöglichkeiten gegen das Piriformis-Syndrom. Die Behandlung des Piriformis-Syndroms erfordert viel Geduld und Durchhaltevermögen. Es kann mehrere Wochen, manchmal sogar Monate dauern, bis die Symptome komplett abgeklungen sind.

Eure Katharina Brinkmann und Nicolai Napolski

 

Das erste Onlineprogramm zum Piriformis-Syndrom
Die Sportexpertin und Buchautorin Katharina Brinkmann bietet im ersten Onlineprogramm, das sich dezidiert mit dem Piriformis-Syndrom auseinandersetzt, ihre Unterstützung an. In diesem Workshop zur Selbsthilfe erklärt Katharina Brinkmann, mit welchen Übungen man das Syndrom schnell und effektiv wieder in den Griff bekommt. Außerdem zeigt sie was wichtig ist, um langfristig schmerzfrei zu bleiben und den Weg in einen gesunden Alltag zurück zu finden. Alle weiteren Infos zum Workshop gibt es hier unter dem Punkt „Nie wieder Ischiasschmerzen unbd Piriformis Syndrom“.

 

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