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Stress und seine Auswirkungen auf Körper und Geist

Von: Katharina Brinkmann

20.04.2017 | Rehabilitation

Als mir vor ein paar Jahren beim Klettern quasi aus dem Nichts ein starker, stechender Schmerz wie ein Stromschlag durch mein linkes Bein schoss, konnte ich überhaupt nicht einschätzen, was da gerade geschehen war. Damals hielt ich mich für einigermaßen fit: Ich saß zwar täglich mindestens acht Stunden im Büro vor dem Rechner, doch in meiner kurzen Freizeit lief ich so oft wie möglich und ging von Zeit zu Zeit klettern. In den Wochen vor meiner Verletzung stand ich aufgrund eines Wohnungswechsels sowohl psychisch als auch physisch stark unter Stress. Da ich Vollzeit gearbeitet habe, blieben mir nur die Abendstunden, um den Umzug vorzubereiten. Innerhalb kürzester Zeit musste ich alles in Umzugskartons verstauen. Sie waren viel zu schwer bepackt, und an ein richtiges, gesundes Heben hatte ich natürlich auch nicht gedacht. Ernährt habe ich mich die meiste Zeit von Fast Food. Dazu kam, dass die neue Vermieterin eine Woche vor dem anstehenden Umzug erkrankte und nicht mehr zu erreichen war, ich aber noch keinen Mietvertrag hatte und auch niemand wusste, wo sich die Schlüssel zur neuen Wohnung befanden. Aus der alten Wohnung musste ich definitiv raus. Eine sehr unsichere und nervenaufreibende Situation. Schlaflose Nächte waren das Resultat.

Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass aufgrund dieser Umstände das Zusammenspiel von Geist und Körper komplett aus dem Gleichgewicht geraten war. Untersuchungen zeigen, dass viele Schmerzen in der Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule psychosomatischer, also stressbedingter Natur sind. Experten gehen von bis zu 85 Prozent aus. Wenn bei dir kein ersichtliches Trauma für eine Erkrankung des Piriformis beziehungsweise des Rückenbereichs vorliegt, solltest du dich unbedingt fragen, wie stark du im Arbeitsleben und im privaten Bereich unter Druck stehst. Lasse dich ich auch von einem Psychotherapeuten beraten. Ist man sich der Intensität der eigenen Belastung erst einmal bewusst, lässt sich Stress relativ leicht durch sportliche Aktivitäten und Entspannungsübungen abbauen. Körperlich wirkt sich Stress insofern aus, dass sich durch die stete innere Anspannung die Muskulatur verhärtet und verkürzt. Bewegungseinschränkungen und falsche Haltung sind somit vorprogrammiert.

Wie die Physiotherapeutin Angi Peukert beschreibt, befindet sich der Körper in einem Teufelskreis, da der äußere Stress inneren Stress verursacht. Beides verstärkt sich gegenseitig: körperliche Schonhaltung, lange Krankschreibungen und finanzielle Einbußen halten diesen Teufelskreis in Gang. Die Schwelle des chronischen Schmerzes ist überschritten, und das Schmerzgedächtnis wird aktiviert. Dieses speichert nun den Schmerz sehr intensiv ab, da die emotionale Ebene ebenfalls stark beansprucht ist. So kann dieser Schmerz immer wieder auftreten, sobald eine erneute Stresssituation auftritt. Um aus dem Teufelskreis herauszukommen, kannst du an verschiedenen Stellen ansetzen: bei deiner Ernährung, deinem Schlafverhalten und der körperlichen Bewegung.

 

Ernährung

Eine falsche Ernährung kann ganz erheblichen Einfluss auf die Gesundheit deiner Muskulatur haben. Eine der Hauptursachen von Schmerzen sind nämlich Entzündungen. Diese entstehen nicht nur durch Überlastung, Fehlhaltungen und andere physische Probleme, auch Stress, Umweltgifte und schlechte Ernährung können dafür verantwortlich sein. Eine akute Entzündung ist im Prinzip durchaus sinnvoll, denn auf diese Weise reagiert der Körper auf Verletzungen: Er schickt seine »Helfer«, um die Schäden zu reparieren. Wird die Entzündung jedoch chronisch, befindet man sich in einer Art »Krisenmodus«. Gefördert werden diese Krisenherde unter anderem durch falsche Ernährung und Umweltgifte, Toxine wie Chemikalien oder Pestizide.

Kohlenhydrate in Zucker und Weizen und sogar in Vollkornbrot mit einem hohen glykämischen Index sind mitunter die größten Auslöser und Förderer von chronischen Entzündungen. Hohe Blutzucker- und Insulinspiegel verursachen einen konstanten Krisenmodus. Studien beweisen, dass raffinierte Zucker, verarbeitetes Mehl, Pflanzenöle und viele andere Zutaten in industriell verarbeiteten Lebensmitteln in hohem Grade für diese Entzündungen verantwortlich sind.

Verzichte deshalb lieber auf:

• glutenfreie Produkte mit hohem Zucker- und Getreidegehalt;
• industriell verarbeitete Lebensmittel: Weißmehl und Weißmehlprodukte, weißer Reis, herkömmliche Fertiggerichte, Wurst- und Fleischwaren mit Nitriten, herkömmliche Protein- und Energieriegel;
• zu lange gegartes oder gebratenes Fleisch
• industrielle Pflanzenöle, die ein ungesundes Verhältnis zwischen Omega-3 und Omega-6-Fetten aufweisen.

Um Entzündungen entgegenzuwirken, iss Sie lieber mehr Bio- und allgemein nachhaltige Produkte mit hoher antioxidantischer Wirkung wie beispielsweise:

• Knochenbrühe
• Gemüse: Bohnensprossen, Spinat, Knoblauch, Brokkoli, Rotkohl, Grünkohl, Frühlingszwiebeln, Mangold, Oliven, Tomaten, Zucchini, Zwiebeln;
• Obst: Äpfel, Avocados, Birnen, Kirschen, Mandarinen, Orangen, Papayas, Pfirsiche, Zitronen;
• Beeren: Himbeeren, Brombeeren, Preiselbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren;
• Fisch: Heilbutt, Hering, Kabeljau, Makrele, Lachs, Forelle, Renke, Thunfisch (bitte achte hier auf eine biologische und artgerechte Züchtung, im Idealfall Wildfang);
• Nüsse und Kerne: Walnüsse, Pekannüsse, Erdnüsse, Maroni, Sonnenblumenkerne;
• Kokosöl, natives Olivenöl;
• Gewürze: Kurkurma, roter Paprika, Ingwer, Oregano;
• grüner Tee, Ingwertee;
• Rotwein (nicht mehr als 1 Glas täglich).

 

Schlaf

Wie wichtig ein erholsamer Tiefschlaf ist, wissen wir eigentlich längst. Leider ist unser Alltag sehr schnelllebig geworden, und zusätzlich verbringen wir auch spätabends noch viel zu viel Zeit vor dem TV-Gerät, Smartphone oder Tablet. Das helle Licht und das kaum wahrnehmbare Flackern der Bildschirme sorgen für eine permanente Reizung, wodurch wir nur schwer zur Ruhe kommen. Doch damit wir wirklich entspannen und uns regenerieren können, brauchen wir mindestens sieben Stunden Schlaf. Ganz entscheidend ist dabei der Schlaf vor Mitternacht. Optimiere deshalb den Tiefschlaf: Versuche, vor 23 Uhr zu Bett zu gehen und den Umgang mit digitalen Geräten ab 22 Uhr zu vermeiden. Je dunkler das Schlafzimmer, desto besser. Schalte gegebenenfalls das WLAN und andere elektronische Geräte ab und schalte das Smartphone aus.

 

Auf dem Weg in einen schmerzfreien Alltag

Lerne deinen Körper kennen und seine Zusammenhänge zu verstehen, akzeptiere deine Verletzung und führe dir immer wieder die wichtigsten Punkte bewusst vor Augen:

• Werde körperlich aktiv.
• Vermeide falsches Heben und eine falsche Körperhaltung.
• Versuche, dein Stresslevel so weit wie möglich zu senken.
• Denke an ausreichend und tiefen Schlaf.
• Überdenke gegebenenfalls deine Ernährung.
• Achte auf rückengerechtes Sitzen.
• Und ganz wichtig: Versuche eine exakte Diagnose für dein Problem zu bekommen. Scheue dich bitte niemals, mehrere Meinungen einzuholen!

 

Euer Nicolai Napolski

Nicolai Napolski ist Autor des Buches „Ischiasbeschwerden und das Piriformis-Syndrom

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