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Testreihe zur Mobiltät und Stabilität

Von: Gray Cook

03.04.2017 | Functional Training, Rehabilitation

Die Testreihe von Gray Cook: der Functional Movement Screen – erfahre hier mehr dazu!

 

Als Physiotherapeut und Konditionstrainer suche ich permanent nach besseren Methoden, um funktionelle Übungen sowohl in die Rehabilitation als auch in das Konditionstraining einzubauen. Schließlich habe ich erkannt, dass der beste Weg, um die Notwendigkeit funktioneller Übungen aufzuzeigen, in einer funktionellen Testreihe besteht. Zudem können solche Tests auch ein Feedback zur Effektivität einer bestimmten Übung hinsichtlich der funktionellen Leistung liefern.

Meine Intuition sagte mir, dass in vielen meiner vorherigen Untersuchungen etwas Grundlegendes fehlte. Mit der Hilfe von Freunden und Kollegen habe ich mit dem ›Functional Movement Screen‹ eine Testbatterie für funktionelle Bewegungen entwickelt, mit dem die Ergebnisse der sportmedizinischen Tests mit den Athleten dokumentiert und kommuniziert werden können. Indem ich die unterschiedlichsten Sportler mit schwierigen Problemstellungen und ungeklärten Verletzungsursachen testete, vermied ich eine zu starke Fokussierung auf die Verletzungen an sich. Vielmehr bin ich einen Schritt zurück gegangen, um meine Perspektive zu verbessern und zu verhindern, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sähe.

Dann traf mich der Blitz der Erkenntnis. Obwohl ich durch meine Ausbildung darauf geschult bin, sowohl den Körper als Gesamtheit sowie auch die einzelnen Körperteile zu betrachten, konzentrierte ich mich zu sehr auf Details. Eigentlich war es ein Problem der richtigen Reihenfolge (Priorisierung). Wenn ein Athlet zum Beispiel über chronische Kniebeschwerden klagte, die nie erfolgreich behandelt wurden, so untersuchte, beurteilte und testete ich sein Knie in allen möglichen Stellungen. Danach forderte ich den Sportler zu einigen allgemeinen Bewegungen auf, wie zum Beispiel dem Balancieren auf einem Bein, einer Oberkörper- und Ganzkörperdrehung, vielleicht sogar zu Ausfallschritten. Das war aber die falsche Reihenfolge. Durch die frühzeitige Konzentration auf das Knie an sich vergab ich mir die Chance, den gesamten Körper in der Bewegung zu beobachten. Ich reduzierte den Athleten vor mir quasi auf sein Knieproblem und sah nicht mehr den vollständigen Athleten mit Knieproblematik, dessen Problem und die Ursachen möglicherweise mehrschichtig gelagert waren.

 

Die Reihenfolge umdrehen

Also drehte ich die Reihenfolge um. Unabhängig von den Beschwerden oder der Verletzung des Sportlers machte ich mir zuerst ein Gesamtbild, bevor ich ihn funktionelle Übungen oder ein Sportrehabilitationsprogramm absolvieren ließ. Ich machte mir Notizen zu seiner sportlichen Karriere, zur Art der Verletzung und zur bisherigen Therapie. Dann ließ ich den Sportler ein paar Grundbewegungen ausführen und beobachtete ihn dabei ganz genau. In manchen Fällen lösten diese Bewegungen Symptome im Problembereich aus, manchmal aber auch in anderen Bereichen. Vor allem aber konnte ich durch diese Vorgehensweise Bewegungsmuster beobachten. Erst wenn ich ein klares Bild von den Bewegungsfähigkeiten bzw. -defiziten des Sportlers und den schmerzauslösenden Bewegungen hatte, konzentrierte ich mich auf die Verletzung. Durch diese Methodik bekam ich ein viel aussagekräftigeres Bild von der Problematik des Athleten.

Mit der Zeit nahm mein Beobachtungs- und Beurteilungsvermögen zu, und ich wollte meine Ergebnisse auch anderen Fachleuten im sportmedizinischen Bereich in klarer, präziser Sprache mitteilen. Das von mir entwickelte Screening der funktionellen Bewegungen besteht aus sieben Tests, die sich mit grundlegenden Bewegungen bzw. sportartunspezifischen Bewegungsmustern beschäftigen. Das Wort ›grundlegend‹ verwende ich hier, weil diese Bewegungen nicht nur die Grundlage für Bewegungen im Sport sind, sondern auch für die Bewegung des Menschen an sich. Sie stehen in enger Beziehung zu den Bewegungen, mit denen Babys und Kleinkinder das Drehen, Krabbeln, Gehen, Klettern und Greifen üben. Meine Testreihe ist, einfach ausgedrückt, eine Methode, um zu zeigen, wie selbst Athleten mit Spitzenwerten in puncto Maximalkraft, Kraftausdauer, Schnelligkeit, Koordination und sportartspezifischer Geschicklichkeit Defizite bei den grundlegenden Bewegungen haben können, die in normalen Leistungsdiagnostiken nicht auftauchen.

Die Bewegungen aus meiner Testreihe sehen zwar einfach aus, erfordern aber eine gute Beweglichkeit und Körperbeherrschung. Athleten, die einzelne oder mehrere dieser Bewegungen nicht korrekt ausführen können, eine wesentliche Einschränkung bei einem ihrer Bewegungsmuster aufweisen oder einen offensichtlichen Unterschied zwischen den Funktionen der linken und rechten Körperhälfte erkennen lassen, erhalten damit ein wichtiges Feedback. Diese Informationen sind der Schlüssel zur Reduktion des Verletzungsrisikos, zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit und zu einem Trainings- oder Rehabilitationsprogramm, das dem Athleten hilft, ein höheres Wettkampfniveau zu erreichen. Keinesfalls dürfen diese Grundbewegungen vernachlässigt werden, wenn der Sportler durch progressives Konditionstraining und Schulung seiner sportspezifischen Fähigkeiten nach höheren Leistungsniveaus strebt.

Ich nutze die Bewegungsmuster meiner Testreihe als Anschauungsunterricht, um zu demonstrieren, wie Sportler, die durch Maximalkraft, Kraftausdauer und Koordination glänzen, größte Schwierigkeiten haben, die grundlegendsten Körperpositionen einzunehmen. Die meisten Athleten konzentrieren sich auf ihre Stärken und verwenden den größten Teil ihrer Zeit auf sie. Meine Testreihe jedoch »zwingt« jeden Athleten in maximale Umfänge der Gelenkbeweglichkeit und nicht nur in die bevorzugten Gelenkstellungen. So wird den Athleten, die in ihren jeweiligen Sportarten so begabt erscheinen, aufgezeigt, dass auch sie bei grundlegenden Bewegungsmustern signifikante Einschränkungen und Asymmetrien zwischen linker und rechter Körperhälfte aufweisen. Durch ihre Geschicklichkeit und Schnelligkeit
können sie ihre Defizite bei den Grundbewegungen kompensieren und verbergen. Diese Defizite gehen jedoch zu Lasten der Effizienz und können zu unnötigen Belastungen des Körpers an anderen Stellen führen. Das kann zu direkten Störungen oder Schäden in einem Körperbereich führen oder Probleme verursachen, wenn der Sportler ein Verletzungstrauma, das durch einen Aufprall oder Sturz verursacht wurde, auskurieren will.

Stelle dir zwei technisch hochbegabte und durchtrainierte Athleten vor, die sich von einer Knieoperation erholen. Beide haben mit Schwellungen, Entzündungen und einer Schwächung durch die Operation und die anschließende Ruhigstellung zu kämpfen. Einer der Athleten ist jedoch im Fußgelenksbereich sehr unbeweglich und in der Hüfte sehr steif. Bis zum Zeitpunkt der Verletzung hatte das Knie die mangelnde Beweglichkeit in Hüft – und Fußgelenk ausgeglichen. Da diese Kompensation durch das Knie nun nicht mehr möglich ist, wird sich der Reha-Prozess verzögern, wenn die Defizite im Hüft – und Fußgelenksbereich nicht angegangen werden.

 

Zusammensetzung der Testreihe

Meine Testreihe für funktionelle Bewegungen setzt sich aus sieben Einzelbewegungen zusammen:

Der Untersucher befolgt präzise objektive Kriterien, um jede einzelne Bewegung zu bewerten. Für jedes der geforderten Bewegungsmuster werden maximal 3 Punkte vergeben: Perfekte Ausführung (3 Punkte); Ausführung mit Kompensationsbewegungen und Ausführungsdefiziten (2 Punkte); Unfähigkeit, das komplette Bewegungsmuster auszuführen (Steifigkeit, Verlust des Gleichgewichts oder andere Schwierigkeiten 1 Punkt); und schließlich 0 Punkte, falls bei einer Bewegungsabfolge Schmerzen auftreten (unabhängig von der eventuellen Perfektion der Ausführung).

Zu Beginn, als ich mein Testreihenmodul für funktionelle Bewegungen vorstellte, sorgte das Adjektiv »funktionell« für Verwirrung, weil manch einer eng an die jeweilige Sportart angelehnte Übungen und Bewegungen erwartete. Diese Sportler waren auf eine dynamischere Reihe von anstrengenden Übungen eingestellt, die sich wie ein richtiges Training anfühlten. Nun waren sie erstaunt über die Einfachheit der Bewegungen, die ich von ihnen verlangte. Was sie dabei nicht begriffen (oder was ich ihnen nicht wirklich vermitteln konnte), ist, dass die grundlegendsten Bewegungsmuster für alle Sportarten auf der Fähigkeit des Athleten beruhen, sein Bewegungsspektrum ohne Einschränkungen oder Kompensation abrufen zu können. Das Problem dieser Herangehensweise war jedoch noch, dass es sich nur um eine zweistufige anstelle einer dreistufigen Pyramide handelte. In vielen Fällen werden Athleten nach ihrer Leistung in der jeweiligen Sportart und ihren Ergebnissen bei Fitness-, Beweglichkeits-, Maximal und Schnellkraft – sowie Ausdauertests beurteilt. Durch ihre Beschränkung auf Geschicklichkeit und Leistung ignoriert die zweistufige Pyramide, dass man die Leistungsfähigkeit nicht getrennt von der Fähigkeit der freien, uneingeschränkten Bewegung betrachten kann. Erst durch die Einbeziehung der dritten Stufe (funktionelle Bewegung) lassen sich die Probleme der Sportler wirklich effektiv beurteilen.

Ich sehe die oben genannten sieben Bewegungen nicht als Bausteine im Fundament funktioneller Bewegungen im Sport. Sie sind eher das formbare Material, aus dem jeder einzelne Baustein besteht. Diese Bewegungen verbinden alle Sportarten miteinander, weil sie die Grundvoraussetzung für jede menschliche Bewegung darstellen. Der größte Fehler, der heutzutage in der Sportmedizin und im Konditionstraining begangen wird, ist eine zu frühe Konzentration auf sportartspezifische Bewegungen. Meine Testreihe ist keineswegs ein in Stein gemeißeltes Gesetz. Sie ist schlicht und einfach eine Methode, um den grundlegendsten Aspekt menschlicher Leistung aufzuzeigen, nämlich die Fähigkeit zur freien Beweglichkeit.

 

Euer Gray Cook

Die Testreihe von Gray Cook: der Functional Movement Screen – erfahre hier mehr dazu!
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