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Kontraktion der Bauchmuskulatur als Schutzmechanismus?

Von: Chris Bell

20.02.2014 | Functional Training

Mittlerweile ist unbestritten, dass die primäre Aufgabe der Bauchmuskulatur in der Stabilisierung des Rumpfes liegt. Die Bauchmuskeln arbeiten gegen die Rotation (anti-rotatorisch) und gegen eine Überstreckung (anti-extensorisch), um die neutrale Position der Lendenwirbelsäule aufrecht zu halten. Demnach ist der Crunch keine funktionelle Übung.  Die eigentliche Funktion der Bauchmuskulatur wird nicht trainiert. Durch ein häufiges Ausführen des Crunches wird ein Rundrücken zusätzlich verstärkt. Rückenschmerzen, Hals- Nackenverspannungen und Probleme in den Schultern können die Folge sein.

Ich habe mir vor einiger Zeit die Frage gestellt, warum der Mensch trotz der oben beschriebenen Tatsache so starke rumpfbeugende Muskeln hat. Daher könnte es nicht doch sinnvoll sein, diese natürliche Funktion zu trainieren?

Crunch - Fluch oder Segen

Crunch – Fluch oder Segen

Thomas Myers beschreibt in seinem Buch Anatomy Trains, dass die verletzbarsten Regionen unseres Körpers wie die Genitalien, die Eingeweide, die weibliche Brust, der Kehlkopf und das Gesicht bauchwärts (ventral) liegen. Der Mensch besitzt keine nennenswerten Abwehrmechanismen wie starke Reisszähne oder starke Krallen. Der Mensch kann verhältnismäßig noch nicht ein mal schnell laufen. Was ist die instinktive Schutzreaktion des Körpers, wenn wir attackiert werden? Wir machen uns klein und rollen uns zusammen. Wir kontrahieren unsere Bauchmuskeln und ziehen uns in den Rundrücken. Die Arme kommen nach vorne und wir ziehen die Knie zum Brustbein, rollen das Kinn ein, um den Kehlkopf zu schützen. Ebenfalls verankert sich das Schulterblatt in einer maximalen Höhe um die Hauptschlagader am Hals zu schützen. Um den Genitalbereich zu schützen, beugen wir instinktiv die Hüfte und ziehen Ansatz und Ursprung der geraden langen Bauchmuskulatur noch näher zusammen.

Nun stellt sich die Frage, ob diese damals überlebenswichtige Funktion in ein gesundheitsorientiertes Training einzubauen ist. Abgesehen von MMA Fightern die eine starke und explosive Beugung des Rumpfes für sportartspezifische Bewegungsmuster wie den Clinch brauchen, lautet die Antwor: nein.

Daraus könnte man schließen, dass der klassische Crunch, neben den negativen strukturellen Reizen, ebenfalls dem Zentralen Nervensystem stressauslösende Botschaften übermittelt.

Eigentlich ist das, das genaue Gegenteil, was wir von einem „Ausgleichstraining“ erwarten.

Was meinen Sie?

Ich freue mich auf Ihr Feedback unter training@shentisports.com.

Ihr Coach Chris Bell

Kommentare

15.09.2015 18:43 | Heike Gropp

... stimmt. Deshalb sind rumpfstabilisierende Uebungen sinnvoller (plank, push up-Varianten etc.).

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