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Der Fersensporn – was hilft am besten?

Von: Dr. Markus Klingenberg

08.01.2016 | Rehabilitation

Es ist früh morgens…

der Wecker klingelt, man schwingt die Beine aus dem Bett, macht die ersten Schritte und verspürt bei jedem Schritt diesen stechenden Schmerz in der Ferse. Nach ein paar Minuten bessert sich der Schmerz und das Laufen wird etwas angenehmer. Nach langen Phasen des Sitzens verhält es sich ähnlich. Beim Training ist es komischerweise nach einiger Zeit sogar noch besser. Woher kommt das bloß? Es gab keinen Unfall. Liegt es an dem neuen Paar Schuhe? War die Trainingseinheit am letzten Wochenende doch zu lang?

So oder so ähnlich berichten es die meisten Patienten, wenn sie sich mit nicht Unfall bedingten Schmerzen der Ferse zum ersten Mal bei ihrem Hausarzt oder Orthopäden vorstellen. Die Diagnose lautet dann meistens „Fersensporn“. Der Name beschreibt bildlich was der Arzt im seitlichen Röntgenbild des Fußes auf Anhieb erkennt. Von der Ferse ausgehend zeigt sich eine knöcherne Ausziehung in Richtung der Zehen. Zusätzlich sieht man oft einen ähnlichen Sporn, der vom oberen Anteil der Ferse in Richtung Achillessehne hochzieht.

Diese Verknöcherungen bilden sich lange bevor sie uns Schmerzen bereiten. Als Auslöser kommen eine Mehrbelastung im Alltag oder im Training ebenso in Frage wie ein neues Paar Laufschuhe.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose sichern ein Röntgenbild des oberen Sprunggelenks und Fuß in zwei Ebenen in Verbindung mit der körperlichen Untersuchung. Dabei ist der Druck auf die Fußsohle im Bereich der Ferse auf der Innenseite meistens sehr schmerzhaft. In Ergänzung zum Röntgenbild kann zusätzlich ein MRT angefertigt werden, um weitere Verletzungen der Weichteile auszuschließen. Vorstellbar sind zum Beispiel ein Einriss der Plantarfaszie, eine Überlastungssituation des Knochens (Knochenmarködem) oder eine Verletzung der Achillessehne. Die Weichteile können alternativ auch gut im Ultraschall befindet werden.

Woher kommt der Fersensporn?

Die Bildung eines knöchernen Sporns ist der Versuch des Körpers einer Überlastung durch Stabilisierung entgegen zu wirken. Die Ursachen sind vielfältig. Auf der einen Seite tritt der Fersensporn bei Übergewicht und zu hohen Harnsäurewerten im Blut auf (Hyperurikämie). Auf der anderen Seite bei wiederholt hoher Belastung des Fusslängsgewölbe wie beispielsweise beim Laufen. Weitere Risikofaktoren sind eine eingeschränkte Sprunggelenksbeweglichkeit und eine verstärkte Pronation. Der Altersgipfel liegt im mittleren Lebensabschnitt zwischen 30-60 Jahren.

Was kann man therapeutisch machen?

Folgende therapeutischen Maßnahmen sind in unterschiedlichem Maße erfolgversprechend bei der Therapie des Fersensporns. Das gilt gleichermaßen für plantare Spornbildungen unter dem Fuß, wie auch für Spornbildungen im Bereich der Achillessehne. Die Behandlung ist zuerst immer konservativ und nur in sehr seltenen Fällen operativ.

 

 

Die erfreuliche Nachricht ist, dass die wesentlichen Maßnahmen vom Sportler selbst durchgeführt werden können. Eine regelmäßige Dehnung und die Anwendung von Kälte erhöhen die lokale Durchblutung etwa um den Faktor 7. Entscheidend für den Erfolg ist natürlich die regelmäßige Durchführung.

 

Dehnung

Um einen Fersensporn nachhaltig erfolgreich zu behandeln, muss eine Dehnung die gesamte hintere Kette des Oberschenkels berücksichtigen. Die Dehnung berücksichtigt die Muskulatur und die Faszien vom unteren Rücken über die Oberschenkelrückseite, die Wade bis in die Fusssohle. Das umgekehrte V im Yoga ist beispielsweise eine optimale Dehnübung. Die Dauer der Dehnung sollte mindestens 60 Sekunden betragen.

 

Kälte

Neben der Durchblutungsförderung wirkt Kälte auch schmerzlindernd. Bewährt hat sich Eis zum Beispiel als „Eislolly“. Im Vergleich zu Coldpacks ist eine Kälteverletzung so weitestgehend ausgeschlossen. Die Dauer sollte 3-5 Minuten betragen.

 

Manuelle Therapie

Der geschulte Therapeut behandelt die Faszien und Muskeln durch lokalen Druck (Triggerpunkt Therapie) und kann regionale Verkürzungen und Verklebungen beheben. Weitere sinnvolle Hilfsmittel für den Patienten und den Therapeuten sind Faszienrollen, Flossing Bänder und ein einfacher Tennisball.

 Tipp: Tennisball in den Trainingsschuh legen und vor dem Training die Fusssohle eine Minute mit dem Ball ausrollen. So vergisst man es nicht :-).

 

Einlagen

Schmerzt Druck unter der Fusssohle ist es eine logische Konsequenz genau diesen Bereich abzufedern. Das ist mit Locheinlagen bei denen der schmerzhafte Bereich ausgespart wird und über Gelkissen möglich. Einlagen reduzieren die Beschwerden, beheben aber nicht die eigentliche Ursache.

 

Medikamente

Medikamentös werden nichtsteroidale Entzündungshemmer (z.B. Ibuprofen, Diclophenac, etc.) verordnet. Alternativ können auch entzündungshemmende Enzympräparate eingenommen werden.

 

Elektrotherapie

Eine lokale Elektrotherapie dient der Verbesserung des Stoffwechsels und Schmerztherapie. Die notwendigen Geräte besitzt der Physiotherapeut, vieles kann man auch selber im Handel erwerben und teilweise können die Geräte auch ärztlich verordnet werden.

 

Infiltrationen

Hervorragende Ergebnisse liefern lokale Injektionen mit speziellen Plasmapräparaten (Eigenblutpräparate). Dabei wird dem Patienten Blut abgenommen, anschließend mit einer Zentrifuge aufbereitet und das so gewonnene Plasma wird gezielt injiziert. Meistens sind 1-2 Injektionen ausreichend. Dieses Verfahren ist aber nur eine Ergänzung zu den Basismassnahmen Dehnung, Kälte und manuelle Therapie. Die Kosten für diese Therapie betragen ca. 150,-. Dieses Verfahren wird nur von privaten Krankenkassen übernommen.

 

Stosswellentherapie

Die Stosswellentherapie versucht den Fersensporn physikalisch aufzulösen. Die Therapie muss normalerweise 5-10 mal angewendet werden. Genau wie eine Infiltration wird diese Therapie nur in Ergänzung zu den Basismassnahmen an. Die Kosten pro Behandlung betragen 150-200 € und werden nur von privaten Krankenkassen übernommen.

 

Operation

In wenigen schweren Fällen, bei denen alle oben genannten Maßnahmen nicht wirken, kann der Fersensporn chirurgisch abgetragen werden. Dieser Eingriff kann über einen offenen Schnitt oder minimalinvasiv („Schlüssellochtechnik“) durchgeführt werden. Die Ergebnisse beider Verfahren sind bei erfahrenen Operateuren gleichermaßen gut.

 

Euer Dr. Markus Klingenberg

Functional Training Magazin

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Kommentare

25.01.2016 15:29 | Hans Dampf

Mein Orthopäde berechnet für die Stoßwellensitzung 60€ (150 scheinrt sehr hoch gegriffen). 6xStoßwelle zusammen mit dem Physio und der Miniblackroll: bin beschwerdefrei.

14.01.2016 20:41 | Ingo Popp

Hallo Doc. ich wuste garnicht das mann Kälte zur Durchblutungsförderung benutzt. Kommt es nicht er zur Gefäßverängung.? Mein Tip als Therapeut Entspannung der Fußsohle und Wade. Querfriktion an der Achillissehne. Wenn möglich Ultraschall aber über 1,0watt. ganz leichtes Krippeln. Und wie schon von Ihnen gesagt Pat muß viel selber Dehnen. Dann viel Spaß!!!

18.01.2016 12:45 | Chris Loewe

Hi, eine Applikation eines Kältereizes über einen kurzen Zeitraum, wie im Text beschrieben, hat durchaus eine durchblutungsfördernde Maßnahme. Stichwort "reaktive Hyperämie". Natürlich kommt es anfangs zu einer Vasokonstriktion, jedoch kippt diese nach Entfernung des Reizes in eine verstärkte Vasodilation um, wir haben also eine Durchblutungsförderung. Vorraussetzung dafür ist, wie gesagt und im Text beschrieben, eine KURZE Applikation. Erst bei Langzeitbehandlung kommt es zu einer verstärkten Vasokonstriktion, bzw. einem Gefäßspasmus. @ Ingo Popp: Grundlagen Hydro-/Kryotherapie.

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