Instagram Facebook

Patellaspitzensyndrom – Überlastung der Patellarsehne

Von: Dr. Markus Klingenberg

29.09.2014 | Rehabilitation

Die Überlastung der Patellarsehne ist bei Sportlern in Spielsportarten mit hohen Belastungsspitzen und schnellen Richtungswechseln, bei Läufern und Sprungsportarten häufig ein Problem. Häufig verwendete Synonyme sind Patellaspitzensyndrom und Springerknie (engl. Jumpers knee).

Die Patellarsehne und ihre Besonderheit

Überlastung der PatellarsehneAnatomisch betrachtet verbindet die Patellarsehne den Oberschenkelstrecker (Musculus rectus femoris) mit dem Schienbein und überträgt somit dessen komplette Kraft bei der Beinstreckung. Beschwerden an Sehnen treten für gewöhnlich am Übergang zum Knochen auf. Das Besondere an der Patellarsehne ist, dass zwei Knochen-Sehnenkontakte über wenige Zentimeter stattfinden. Das sind der Übergang von der Kniescheibe (Patella) zur Sehne und der Übergang von der Sehne zum Schienbein (Tibia). Ein Riss der Sehne kommt vergleichsweise selten vor. Falls das doch einmal der Fall sein sollte, muss die Sehne operativ wieder refixiert werden.

Im Kindes- und Jugendalter ergeben sich wachstumsbedingt eher Beschwerden am Ansatz der Sehne am Schienbein (Tibia), wenn die Verknöcherung dort gestört ist (Morbus Osgood Schlatter).

Diese Erkrankung stellt auch ein Risiko für eine Patellarsehnenreizung des erwachsenen Sportlers dar. Zu den weiteren inneren Risikofaktoren zählen ein relativer Hochstand der Kniescheibe, eine verminderte Dehnbarkeit der Beinmuskulatur, eine Übersäuerung und ältere Verletzungen. Ist beispielsweise das Sprunggelenk in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, muss im Sinne einer aufsteigenden Ursache-Folge-Kette das Kniegelenk dieses Defizit ausgleichen und damit wird auch die Patellarsehne vermehrt belastet.

Überlastung der Patellarsehne – therapeutische Ansätze

Für die Diagnose ist die Vorgeschichte des Patienten oft schon richtungsweisend. Sinnvolle bildgebende Verfahren sind in erster Linie eine Ultraschalluntersuchung und ggf. ein MRT. Der Vorteil des MRT´s liegt in der Möglichkeit auch weitere Schädigungen der Kniebinnenstrukturen und des Knorpels diagnostizieren zu können. Eine Röntgenuntersuchung dient im Wesentlichen der Ausschlussdiagnostik anderer Erkrankungen.

Therapeutisch gibt es zahlreiche Optionen und meiner Erfahrung nach ist eine Kombination verschiedener therapeutischer Ansätze am erfolgreichsten. Den Stoffwechsel der Sehne verbessern Basismaßnahmen, wie Kälte (z.B. „Eislolly“), Dehnen und ein exzentrisches Krafttraining. Entzündungshemmer und pflanzliche Therapeutika (Arnika, Wobenzym, etc.) können lokal als Salbe und oral angewendet werden, um eine Entzündung zu behandeln.

Weitere therapeutische Ansätze umfassen die Akupunktur, ein Dry Needling, und lokale Infiltrationen mit Entzündungshemmern (z. B. Traumeel). Wichtig ist zu erwähnen, dass kein (!) Kortison im Bereich der Sehne injiziert werden darf, da sich dadurch die Rissgefahr der Sehne erhöht.

Regeneration bzw. Belastungspause sind besonders wichtig

Die ausreichend lange Vermeidung von Belastungsspitzen ist ein ganz entscheidender und oftmals der schwierigste Punkt, da eine Reizung der Patellarsehne oft kein komplettes Hindernis ist, Sport zu betreiben. Bei ausbleibender oder unzureichender Pause / Regeneration können daraus chronische Beschwerden resultieren.

Im Rahmen einer Belastungspause sollten über einen Functional Movement Screen und Y-Balance Test Asymmetrien und Dysbalancen im Bewegungsapparat erkannt und ausgeglichen werden, um ein Wiederauftreten (Rezidiv) der Beschwerden zu vermeiden. Beim Wiedereinstieg in den Sport (Return-to-Play) sollte weiterhin verstärkt Wert auf ein sauberes Techniktraining gelegt werden.

Werden diese Empfehlungen konsequent umgesetzt, ist die Heilungsrate sehr hoch und ein Wiedereinstieg auf dem bisherigen Sportniveau meistens möglich.

Euer Dr. Markus Klingenberg

Functional Training Magazin

Functional Training Magazin

Functional Training Magazin

Latest posts by Functional Training Magazin (see all)

Kommentare

01.10.2014 21:10

Hallo Dr. Klingenberg, bei meiner Tochter (15) wurde Morbus Schlatter vor ca. 1Jahr diagnostiziert. Sie betreibt auf intensivem, leidenschaftlichem und erfolgreichem Niveau (3-4Tage Training je Woche zzgl. ca. 12-14 nationale und internationale Wettkämpfe im 2+3.Quartal, Streckenlänge zw. 300 und 10.000m) Speedskating. Ein einbremsen ihrer Leidenschaft ist schwer möglich da Schmerzen tatsächlich selten Auftreten. Einzig Druckempfindlichkeit unterhalb der Kniescheibe bzw. Einschränkungen aus der Kniebeuge heraus bei Hocksprüngen z.B. auf Kästen oder Treppenstufen liegen schmerzhafte Erfahrungen vor. Dennoch bereitet uns dies Sorgen, da wir sie vor bleibenden Schäden bewahren wollen. Was kann man konkret tuen ohne ihre Energie auszubremsen? Eine Diagnose in Verbindung mit Trainingsempfehlung zur Vermeidung von Reizungen sind leider von sporterfahrenen Ärzten/Diagnostikern kaum oder gar nicht zu bekommen. Vielen Dank im Voraus

29.09.2014 17:40

Danke das ihr auf auf meine Anfrage diesen Artikel geschrieben habt.

Deine Meinung