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Schwächen stärken – Der Functional Movement Screen

Von: Oliver Schmidtlein

01.12.2013 | Rehabilitation

Oliver Schmidtlein zum Functional Movement Screen

Oliver Schmidtlein zum Functional Movement Screen

Mit herkömmlichen Fitnesstests lassen sich Dysbalancen nur schwer bestimmen. Der Functional Movement Screen hingegen analysiert objektiv Schwachstellen im Bewegungsablauf.

Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Wenn eine Körperregion beeinträchtigt ist, können andere Muskeln das nur oberflächlich kompensieren. Das geschieht oft auf Kosten der korrekten und symmetrischen Ausführung komplexer Bewegungen. Dysbalancen oder neue Verletzungen sind die Folge. Professionelle Fitnesstrainer und Physiotherapeuten beobachten immer wieder, dass viele Trainierende zwar hoch motiviert und intensiv Sport treiben, aber aufgrund von Asymmetrien, Ausweichbewegungen und Schwachstellen im Bewegungsapparat ineffektive und auf Dauer potenziell schädliche Bewegungsmuster annehmen. Bei herkömmlichen Fitnesstests, die einzelne Muskelpartien oder Gelenke isoliert untersuchen, sind Fehler im Ablauf von komplexen Bewegungsmustern nur schwer zu erkennen. Kraft und Beweglichkeit einzelner Körperpartien können durchaus im gesunden Bereich liegen, und dennoch kann der Bewegungsablauf ineffizient oder asymmetrisch sein. Selbst bei hoch trainierten Leistungssportlern, die unter professioneller Betreuung trainieren, sind diese Schwächen und die daraus resultierenden Kompensationsbewegungen verbreitet. Deshalb arbeitete auch Jürgen Klinsmann bei der Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die WM 2006 mit einem Testverfahren, das nicht nur quantitative, sondern auch wertvolle qualitative Erkenntnisse über funktionelle Bewegungen liefert: dem Functional Movement Screen (FMS). Jogi Löw hat dieses bewerte System weiter geführt. Der Test ermöglicht, Bewegungsmuster nach objektiven Kriterien zu analysieren und Veränderungen zu dokumentieren. Auf Basis der Messwerte können Fitnesstrainer und Physiotherapeuten ein individuelles Trainingsprogramm für jeden einzelnen Trainierenden entwickeln, das spezifisch auf solche Schwachstellen eingeht und sie schnell verbessern kann. Der FMS wurde von dem amerikanischen Physiotherapeuten und Rehabilitationsexperten Gray Cook entwickelt.

Functional Movement Screen mit Oliver Schmidtlein

Functional Movement Screen mit Oliver Schmidtlein

Während seiner Zusammenarbeit mit Profisportlern aus Basketball, Football, Eishockey und anderen Sportarten erarbeitete er für jeden Athleten eigene „corrective exercises“ auf Basis der FMS-Testergebnisse. Dieses Functional-Movement-Übungsprogramm integriert sowohl sportartspezifische als auch individuelle Bewegungsmuster. Auf diese Weise kann jeder Sportler seine Bewegungsabläufe harmonisieren, denn nicht jedes Fitnessprogramm ist für jeden Athleten geeignet. Individuelles, korrektives Training auf der Basis des FMS kann langfristig nicht nur die Leistung des Sportlers erhöhen, sondern beugt auch Verletzungen vor. Dies konnten wissenschaftliche Studien nachweisen. In den USA wurde das Verletzungsrisiko von so verschiedenen Gruppen wie Feuerwehrleuten und professionellen Footballspielern auf Basis von deren FMS-Testergebnissen prognostiziert, und tatsächlich erwies sich der Functional Movement Screen als zuverlässiger Indikator für die Verletzungsanfälligkeit. Das Verletzungsrisiko der Footballspieler und krankheitsbedingte Fehltage der Feuerwehrleute konnten dann durch Intervention und gezielten Übungsprogramme nachweisbar gesenkt werden. Der Functional Movement Screen als Diagnoseinstrument ist die Voraussetzung für einen individuellen Trainingsplan. Er ist für gesunde Sportler geeignet, die nicht unter aktuellen Verletzungen oder Schmerzen leiden – in diesem Fall ist eine gezielte Diagnostik durch einen Arzt erforderlich. Der Test kann überall ohne großen Aufwand mithilfe des FMS-Test-Kits durch einen Fitnesstrainer oder Physiotherapeuten durchgeführt werden. Trainingserfolge werden durch wiederholtes Testen sichtbar und lassen sich genau dokumentieren. Der FMS hat sich in Studien zur Inter-Tester-Reliabilität als sehr zuverlässig erwiesen – die Testergebnisse werden, im Gegensatz zu vielen anderen Testmethoden, durch den Testleiter nur sehr gering beeinflusst und bieten dadurch größtmögliche Objektivität. Der Test besteht aus sieben Übungen, mit denen grundlegende Bewegungsmuster überprüft werden, die jeder Sportler beherrschen sollte, denn sie bilden die Grundlage für fast alle komplexen Aktivitäten. Für jede Übung werden Punkte vergeben: Führt der Sportler die Bewegung genau wie in der Testbeschreibung aus, erhält er drei Punkte. Wird die Bewegung mit Ausweichbewegungen ausgeführt, gibt es zwei Punkte. Kann der Sportler die Bewegung nicht wie beschrieben ausführen, bekommt er einen Punkt. Hat er Schmerzen bei der Testausführung, wird die Übung mit null Punkten bewertet. Während des Tests korrigiert der Trainer oder Physiotherapeut die Testperson nicht, sondern erteilt lediglich die in der Richtlinie vorgegebenen Anweisungen.

Oliver Schmidtlein – Functional Movement Screening

Oliver Schmidtlein – Functional Movement Screening

Auf jeden Fall empfiehlt es sich als Interessent für dieses Testverfahren ein spezielles FMS Kursprogramm zu besuchen, um so näher mit der praktischen Durchführung des Functional Movement Screen vertraut zu werden.

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(Der Beitrag erschien in der Erstausgabe des Functional Training Magazins: www.ft-magazin.de)

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