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Fluch des Wissens

Von: Michael Boyle

24.10.2013 | Coaching

Klopfer und Zuhörer

In dem Buch „Made to Stick“ beschreiben die Autoren eine sehr einfache Studie von Elizabeth Newton (Stanford Universität) aus dem Jahre 1996. Newton teilte die Teilnehmer der Studie in zwei Gruppen, „Klopfer“ und Zuhörer. Die „Klopfer“ mussten ein Lied hören und die Meldodie auf Ihrem Schreibtisch mit den Händen nachklopfen. Die Lieder an sich waren nicht wirklich anspruchsvoll, es waren Lieder wie, „Happy Birthday“ oder „The Star Spangled Banner“. Die Zuhörer mussten lediglich die Lieder anhand des Klopfens erkennen. Sehr leicht, bis auf die Tatsache, dass über den „Klopfern“ der „Fluch des Wissens“ schwebte. Sie kannten die Lieder und konnten sie in Gedanken hören. Die Zuhörer hatten dieses Wissen jedoch nicht. Interessant ist, dass die „Klopfer“ der Meinung waren, dass die Zuhörer zu mindestens 50% richtig liegen würden. Die Zuhörer konnten allerdings nur zwei Prozent der Melodien wiedererkennen. Die „Klopfer“ (Lehrer) waren frustriert, da sie die Antworten zu dem „Test“ kannten und nicht verstehen konnten, wie die Zuhörer (Student) die Melodien nicht erkennen konnten.

KISS

Nun substituieren wir mal Lehrer für „Klopfer“, Studenten für Zuhörer oder nehmen Coach und Spieler oder Chef und Angestellter. Ein Blick auf die Zahlen. 50% Erwartung und nur zwei Prozent Resultat. Diese Statistik zeigt uns die Tatsache, wie wichtig es ist, wie wir unsere Tätigkeit ausführen und unsere Angestellten schulen. Diese Studie öffnete mir wirklich die Augen. Sie zeigte mir auf, warum ich immer wieder sage „KISS“. „Keep It Simple S_ _ _ _ _. Was ich sagen möchte ist, vergesst die Zuhörer nicht. Strebt nicht danach zu zeigen wie intelligent ihr seid, sondern strengt euch an und zeigt welch gute Lehrer ihr seid. Heute glaube ich, dass der Schlüssel für „KISS“ das Streben nach „MISS“ (Make It Simple S_ _ _ _ _) bedeutet. Wir müssen es einfach für unsere Angestellten, Studenten oder auch unser Team machen, indem wir es einfach halten. Wir müssen sicher gehen, dass der „Fluch des Wissens“ uns, unsere Studenten, Angestellten oder Spieler nicht frustriert.

Michael Boyle und der Fluch des Wissens

Das Verständnis des Fluch des Wissens

Wenn eine Gruppe ein bestimmtes Konzept nicht begreift, sage ich meinen Trainern immer wieder, wiederholt es noch einmal und sagt: Ich erkläre es noch einmal, ich muss es wohl nicht verständlich genug wiedergegeben haben. Dadurch wird die Verpflichtung auf den Lehrer, Trainer oder Chef gelenkt. Sven Nater, einer von John Woodens preisgekrönten Schülern verfasste ein Buch mit dem Titel „You Haven’t Taught me Until I’ve Learned“. Ein wirklich exzellenter Titel. Wir müssen realisieren, dass wir keinem etwas beigebracht haben, solange Jemand nichts gelernt hat und, dass unser Wissen oft eher ein Nachteil als ein Vorteil sein kann. Das Verständnis des „Fluch des Wissens“ ist der Schlüssel zum Lehren und zu guten Instruktionen, egal in welchem Bereich.

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